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Freitag, 23. Mai 2014

Wenn einer ein Reise tut ...

Pancho Villa und andere Geschichten
1976 ging es von Chihuahua aus mit der Eisenbahn nach Los Mochis.
Als der Zug in den Barranca del Cobre einen Tag lang nicht mehr weiterfuhr, ritt ich zusammen mit einem amerikanischen Zahnarzt und seiner Familie zu den Indios, die sich über unsere kostenlose Hilfe freuten. Ich war noch nicht Ärztin, aber engagierte Medizinstudentin.
http://de.wikipedia.org/wiki/Barranca_del_Cobre — in Los Mochis.

Nein, ich konnte damals nicht reiten, aber jetzt schon.
Dass ich später das Reiten lernte, verwundert sicher nicht. Ich fand, nach meinem Mexiko-Erlebnis, dass jeder wissen sollte, wie man reitet.

Damals stieg ich einfach auf das Pferd und schaute nicht die steilen Abhänge hinunter. Ich besitze ein Foto von damals - von der Frau eines Zahnarztes und mir - hoch zu Ross und kurz vor dem Abgrund. Vielleicht sollte ich das Foto irgendwann ins Netz stellen. Zuvor brauche ich die Erlaubnis zur Veröffentlichung.
Hier füge ich zum Trost ein Foto von meiner lieben Freundin Claudia - bei einem Ritt in Mexiko - ein.

Das Pferd gehört zur Geschichte Mexikos
Foto von +Claudia Ernst   
 
  Creative Commons Lizenzvertraghttp://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/
Ich war damals nicht ängstlich beim Ritt, aber verwundert darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit ich in so einer Berglandschaft auf ein Pferd gesetzt werde.
Ich kam nicht auf die Idee, dass der Ritt tragisch enden könnte, denn die Frau des Zahnarztes an meiner Seite strahlte etwas Beruhigendes aus und wirkte, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt sei, hier herumzureiten.    
Tragisch endete die Reise nicht. Zumindest abenteuerlich waren der Ritt und die ganze Reise bis nach Los Mochis. Etwas tragisch und bedauerlich ging nur eine Zahngeschichte für einen Indio aus – davon später.

Zuerst ritten wir zu den Kupferminen in den Bergen und dann zu den Indios. Als ein dicker Ast den Pfad versperrte, hielt das Pferd von selbst an und eine tote Schlange erschreckte das Pferd nicht sonderlich.

Kurz noch etwas zur Vorgeschichte. Ein Zahnarzt war mit seiner Frau und seinem Sohn irgendwo bei Chihuahua mit seinem Privatflugzeug gelandet und im selben Zug wie ich mit seiner Familie angereist. Dieser Zahnarzt behandelte jedes Jahr kostenlos die Zähne der Indios in den Bergen. Vielleicht macht er das immer noch. Als der Zug auf halber Strecke zwischen Chihuahua und Los Mochis hielt, trafen wir erstmals aufeinander und ich durfte dort in dem einzigen und sehr teuren, luxuriösen Hotel auf Kosten der Zahnarztfamilie übernachten.

Am nächsten Tag lud uns - nach einem Ritt zu den Kupferminen und zu den Indios - ein älterer Herr ein, der noch zusammen mit Pancho Villa (* 5. Juni 1878, † 20. Juli 1923 in Parral, Chihuahua, Mexiko) gekämpft haben soll. Er bezeichnete Pancho Villa als seinen Freund.

Dieser Herr wurde als ehemaliger Kämpfer im Bergdorf von den Dorfbewohnern verehrt.
Die Karriere seines Freundes Pancho Villa als Robin Hood Mexikos begann um 1900. 1910 wurden aus den Pistoleros Revolutionäre.
http://de.wikipedia.org/wiki/Pancho_Villa 

Wenn Pancho Villas Mitkämpfer, der uns 1976 in sein Haus einlud, beim Überraschungsangriff in Ciudad Juárez in der Nacht vom 15. auf den 16. November 1913 dabei gewesen sein sollte, dann war er damals vielleicht - wie Pancho Villa - 35 Jahre alt.

Das Alter könnte stimmen, denn bei meinem Besuch 1976 könnte er 83 Jahre alt gewesen sein. Ein Foto von Pancho Villas Freund und mir und seinen weiteren Gäste, kann ich aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht ins Netz stellen.

Als die Zahnarztfamilie und ich am nächsten Tag mit der Bahn nach Los Mochis reisten, um Medikamente für die Indios zu besorgen, begegnete uns kurz vor unserem Aufbruch ein Indio und bat um eine Zahnbehandlung.
"Geht leider nicht mehr", bedauerte der Zahnarzt und meinte tröstend "Ich komme wieder im nächsten Jahr."

John, der Zahnarzt, war ein schlanker, großer und gutaussehender, lebhafter Mann und gleichzeitig ein väterlicher, sehr humorvoller und romantischer Typ.
John mochte die Indios sehr. Leider warteten auf ihn weitere Termine.

Zu Johns Frau kann ich sagen, dass sie einen mütterlichen Eindruck erweckte. Wahrscheinlich war sie auch hart im Nehmen.  Man könnte wahrscheinlich mit ihr Pferde stehlen. Sie machte alle Unternehmungen mit, die John und ihrem Sohn - einfielen und blieb gelassen.
Ich glaube, dass das Stricken für sie beruhigend war. John erzählte, dass seine Frau das Strickzeug nach Mexiko mitgenommen habe und sie während des Fluges stricke.
Der Sohn des Ehepaares war eine Mischung von beiden. Wie sollte es auch anders sein?

In Los Mochis übernachteten wir und ich glaube wir hatten zwei Zimmer nebeneinander mit Durchgangstür. 

Am nächsten Morgen wollte die Familie schon früh aufbrechen.
Sie wollten die Medikamente für die Indios besorgen und anschließend mit der Bahn zurückfahren, um die Medikamente zu verteilen.
Wir verabschiedeten uns am Abend voneinander wie gute Freunde.
Am nächsten Morgen klopfte es an meiner Tür und John kam ans Bett. 

Er gab mir einen Abschiedskuss auf die Stirn, sagte "goodbye" und weg war er. 

Gerne würde ich die Familie nochmals treffen und mich bei ihnen ganz herzlich bedanken.
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Dr. med. Anne Zehentbauer Creative Commons Lizenzvertrag 
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Quelle: 
(1)  Barranca del Cobre 
(2)  Pancho Villa