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Montag, 9. Juni 2014

Sprache und Begriffswelten in Bildungs-, Wissenschafts- und Berufskulturen und wo liegt des Pudels Kern?

Kommunikation ist rezeptfrei, aber mit Konflikten behaftet!

Wie funktioniert Sprache in medizinischen Berufen und in anderen Berufen mit Praktikersprache?
Im Bayerischen Ärzteblatt 6/2014, Seite 316 bis 318 ist mehr darüber zu lesen. Professor Dr. Jörg Roche, Institut für Deutsch als Fremdsprache, Ludwig-Maximilians-Universität München, Schönfeldstraße 13a, 80539 München, E-Mail: roche@daf.lmu.de setzte sich mit dem Thema eingehend auseinander.
Es macht Spaß, den Artikel zu lesen und obendrein ist er überaus aufschlussreich 
und tiefgründig. 

Auf zu den Sprachprogrammen für medizinische Begriffswelten!
Professor Dr. Jörg Roche zählt eine ganze Reihe von Sprachprogrammen auf. Besonders würde mich 'Deutsch für Ärztinnen und Ärzte / Kommunikationstraining für Klinik und Praxis' interessieren.  

In 100 Stunden mit dem Online-Modul der DUO Wissenschaft, interkulturelle Medizin und kulturspezifische Körperbilder durchforsten!  
An diesem  Medizin-Modul der Deutsch-Uni Online arbeiteten Mediziner verschiedener bayerischer Hochschulen mit. 
Es sieht ganz so aus als sei es diesen Bayern ein besonderes Anliegen, die Liebe zur deutschen Sprache zu vermitteln. 

Deutsch ist leider nicht mehr Weltsprache, aber vielleicht wird Bayern zum Nabel der Welt für die deutsche Medizinersprache. Vielleicht werden diese Bayern Vorreiter dafür, dass die deutsche Sprache wieder mehr Gewicht bekommt.    

Wie funktionieren deutsche Begriffswelten? 

Sprache wird mit metaphorischen Begriffen erlebt und transparent gemacht. 
Die körperliche Erfahrung verleitet bei den jetzigen sommerlichen Temperaturen weniger zu dem Geständnis von
-" da könnte man kalte Füße bekommen"
eher zu
-  "die Hitze liegt schwer auf den Schultern;"

-  "das Mittagessen liegt schwer im Magen;“
- " da ist auch noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ..."





Diagnose 'Liebeskummer und / oder Herz-, Magen-, Leberschmerzen'?
Behalten Sie bei der Diagnosestellung Herz, Magen und die Leber im Auge!
Sprachliche Konzeptwelten sind zwischen Arzt und Patient - kulturbedingt - unterschiedlich. 
Wie stellt nun ein Arzt fest, wer unter Liebeskummer leidet? 

Ein deutscher Arzt weiß, dass die Liebe in Deutschland durch den Magen geht und Liebeskummer meistens Herzschmerzen verursacht.

In der Türkei schlägt Liebeskummer auf die Leber, weil dort die Liebe durch die Leber geht.

Unter dem Eisberg liegt 'des Pudels Kern'!
Dort liegen die Kostbarkeiten, die zum Erfolg bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient führen.  
Unter dem Eisberg - in verschiedenen Tiefen - befinden sich 
- Kultur
- Gefühltes in der Sprache
- Vorstellungen von Raum und Zeit
- Werte
- Rollenverständnis. 

Diese verborgenen Eisberg-Schätze mit ihrem Schlüssel für funktionierende Kommunikation verändern sich. 

Ähnlich wie einzelne Gene oder das Konnektom so ist auch die Verständigung mittels Sprache in unserer schnelllebigen Zeit ständigen Veränderungen und neuen kommunikativen Herausforderungen unterworfen.

Über und unter Wasser brodelt es.

Nach Freud sind es gerade einmal 10 bis 20 % (Sekundärmotive) worauf wir in unserem Verhalten bewusst und rational in Alltagssituationen zurückgreifen können.

80 – 90 % (Primärmotive) spielt sich unter Wasser ab und hat großen bis bestimmenden Einfluss auf das, wie wir über Wasser – zum Beispiel mit unserer Sprache – agieren (1).    

Bildungs-, Wissenschafts- und Berufskulturen verlangen nach richtigem praktischen und sprachgewandten Handeln!
Verlangt wird 
- Selbstständigkeit
- Eigenverantwortlichkeit
- kritische Reflexion und das Wissen, wann um Weisung gebeten werden muss. 

Laut Professor Dr. Jörg Roche sollte ein Mitarbeiter wissen, "was er selbst entscheiden kann und unter welchen Bedingungen er wann und wie eine Kollegin oder einen Vorgesetzten um Hilfe oder Weisung bitten muss. Kurzum, dass er weiß, wie man mit Sprache richtig handelt."

Ist Unwissenheit beschämend vor dem Meister?
Bei uns und in vielen anderen Kulturen - auch in Wissenschaft- und Ausbildungskulturen - produziert man nicht-eigenständige, mit Standardroutinen vertraute Mitarbeiter, die den Meister imitieren und befürchten, sich bloß zu stellen, wenn sie um Information b
itten würden.

Unweigerlich führt dieses Verhalten zu Konflikten, die sich nicht grammatikalisch lösen lassen.    
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Bericht und Fotos: +Anna Maria Zehentbauer   


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Quelle:
(1) Eisbergmodell
(1)http://de.wikipedia.org/wiki/Eisbergmodell
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