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Sonntag, 8. September 2013

Wohin führt der Weg des zeitgemäßen Lehrens und Lernens?



Neuzeit-Didaktik (3) und Body Watching und no touch! (1)
Statt der Klausur üben wir Bein, Po und Arme!
Klar, sonst gibt es noch Mutationen mit Rückentwicklung der Beine, aber die Gehirnregion für Daumen und Bauch wird dafür immer größer, weil Sitzen und Smartphone-Zippen nötig werden und der Bauch sich nach unten ausbreiten muss und......

Droht nun gleich die Entmündigung von Lernenden (4, 5) wegen wohlmeinender Erzieher oder gar Psychotherapeuten, die zum Körper-Training auffordern? Didaktik wird  seit geraumer Zeit des zu hohen Machtanspruchs bezichtigt und verzögere die Lernkompetenz und die Eigenständigkeit.



Sind Helfer zum Fürchten?
Mein Lehranalytiker pflegte während meiner Ausbildung zu sagen: „Der Herr hüte mich vor denen, die es gut mit mir meinen!"
Natürlich, es könnte sonst ein psychoanalytisches oder „pädagogisches Paradies mit Folterkeller" -wie einst in der Odenwald-Schule (2) - entstehen. Es könnte mancher Frau auch ein Schleier übergeworfen werden, wenn sie zu wenig Hilfe beansprucht – zu ihrem Schutz natürlich vor zu großer und als gefährlich erachteter Eigenständigkeit. Solche Abhängigkeiten dürfen nirgendwo existieren. Ein #Aufschrei für Abgrenzung und das Recht auf freies Lernen scheint nötig zu werden. Psychoanalytiker weisen seit langer Zeit auf die Bedeutung von Abgrenzung und Abstinenz hin. Für Psychoanalytiker gelten in beruflicher Hinsicht sehr strenge Abstinenzregeln zur Abgrenzung. Ohne diese Abstinenz wäre die eigenständige Entwicklung des zu Analysierenden  nicht möglich.

Geschieht Entwicklung auf Augenhöhe in individueller Freiheit ohne patriarchale Einflüsse?
Die Therapeutenrolle darf keine Machtposition besitzen und sie soll zu keiner Asymmetrie führen. Es geht um Gespräche mit dem Ratsuchenden auf Augenhöhe.
Auf diese Weise findet eine Beziehung mit geregelten Grenzen statt und gleichzeitig geschehen gegenseitiger Erfahrungsaustausch (einschließlich gegenseitiger Belehrung) sowie Lernen und Verständnis füreinander. Natürlich darf jeder weiterhin die neu erworbenen Erkenntnisse nützen oder auch nicht, d. h. man kann nach den Lehrjahren als geübter Kletterer am Seil des Lebens auf das Dach der Welt klettern und sich festhalten oder man entscheidet sich für das Herunterpurzeln. Wirklich? Wäre doch schön, wenn da ein Fachkundiger ein Netz aufspannen würde oder feste Kletterhaken einsetzte! Kein Netz aufgespannt? Das ist dann vielleicht unterlassene Hilfeleistung der Fachautorität und natürlich auch der Kletterkollegen. Ganz schön schizoid, diese Geschichte mit der Eigenständigkeit und der Distanz in Beziehungen! Das Thema Ehe wäre jetzt eine andere Geschichte zum Thema Eigenständigkeit und Distanz und mit einem anderen Drahtseilakt zum Gipfel von verschleierter Willensdurchsetzung und Thronansprüchen bis hin zum Schleier.

Festgefahrene Helferrollen und Führerrollen sind jedenfalls ein No-Go! Das wissen wir Deutsche mit unserer Kriegsvergangenheit, aber ausreichend verändert haben wir noch lange nichts.
In psychoanalytischen Krankheitskontexten und in pädagogischen trifft das Wort Helfer oder Führer einen Nerv. Nerven sollte man möglichst nicht berühren, behaupten die Neurochirurgen!
Also no touch!

Merke: Der achtungsvolle Umgang mit Menschen in gebührender Distanz ist eine Kunst und bedarf einer sehr individuellen Handhabung. Eine strenge Abstinenzregel wäre für alle Menschen im großen menschlichen Tiergarten nötig.

Wünsche:
- Hören  mittels dieser empathisch-kommunikativen Kunst vielleicht auch die Rechthabereien und Kriege irgendwann auf?
- Wollen wir diese Kunst vielleicht Didaktik nennen oder Umgebungslerndesign?

Zum Schluss noch eine Geschichte „für heute“:
Ein Vater geht mit seinem Sohn spazieren.
Der Sohn: "Vater, was für eine Geschichte erzählst du mir heute?"
Vater: "Warte!"
Sie kommen zu einem Baum.
Vater: "Simon, klettere hinauf"
Der Sohn klettert und steht oben.
Vater: "Springe, mein Sohn!"
Sohn: "Vater, ich fürchte mich!"
Vater: "Wer sagt dir, du sollst springen?"
Der Vater breitet die Arme aus.
Der Sohn springt. Der Vater tritt rasch einige Schritte zurück und der Sohn liegt am Boden und weint.
Vater:  „Das war die Geschichte für heute. Traue deinen engsten Verwandten nicht!“
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(1) Odenwaldschule - einst „pädagogisches Paradies mit Folterkeller" 

(2) Body Watching
(3) Didaktik?
(4) Fragen zur Didaktik (pro) im Video bei #ununiTV 
(4) http://www.ununi.tv/node/186  Anja C. Wagner spricht mit Martin Lindner
(5) Fragen zur Didaktik (kontra) im Video bei #ununiTV 
(5) http://www.ununi.tv/node/221  Anja C. Wagner spricht mit Jasmin Hamadeh
wird fortgesetzt (Tom und die Didaktik auch)
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