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Donnerstag, 2. Mai 2013

Das Leben ist zu schön, um ungelebt zu sterben.


Das Ich und die Entwicklung zur Einzigartigkeit

Reflect: 'Ich bin' – 'ich bin' – 'ich bin'.

Denken Sie über sich nach? Reisen Sie gerne? Lieben Sie Geschichten?  Lieben Sie fröhliche Menschen um sich?

Wenn ja, dann könnte Ihre  Reflexion  zu ‚ich bin’ wie folgt aussehen:
- Ich bin ein Zigeuner und  streife gerne durch Wälder.
- Ich bin einzigartig.
- Ich bin ein besonderes Modell und Baujahr mit einem Hang heraus aus der Trauer und hin zur Fröhlichkeit.

Warum?
Ich zum Beispiel, weil ich mich von Kindheit an mit märchenhaften Geschichten und mit den Erzählungen über die deutsche  Nazi-Vergangenheit beschäftigte. Das vergangene Leid meinte ich zu spüren. Es kroch mir  förmlich mit vier Jahren - in meiner überreichen Phantasie  - bis in beide Lungenflügel, meinte ich damals.
Als es mir nicht gelang, meinen Kummer über  einen bedrohlichen Keuchhusten auszuhusten, beschloss ich einige Monate später. gesund zu werden. Ab diesem Zeitpunkt beglückte ich meine Umgebung mit erstaunlichen Einfällen.
Sich mit Krankheit aus einem Problem lösen zu wollen, hatte keine wirkliche Befreiung gebracht. Ich  gab alles Einengende auf. Mein Freiheitsdrang versetzte ab diesem Zeitpunkt meine Umgebung in Schrecken - einmal besonders, als ich mit 36 Jahren - ohne große Reisevorbereitung - alleine Nigeria erkundete.
Völlig gesund wurde  ich mit fünf Jahren -  an einem Weihnachtsfest - von einer Minute auf die andere. Meine Mutter überraschte mich nämlich an diesem Tag mit einer mit Antiquitäten liebevoll eingerichteten  Puppenstube  mit roten Samtvorhängen. Sie hatte  die einzelnen Möbelstücke von dem wenigen Geld, das sie hatte, gekauft. Ich sollte noch etwas vom Leben haben, bevor ich sterbe.

Ab diesem Zeitpunkt bekam ich mein Leid  und das von Mitmenschen und das in Märchen gründlich satt. Das Leben war und ist zu schön, um   ungelebt zu sterben.  Seit diesem Zeitpunkt  hüpfe oder tanze ich vergnügt herum und Weinen finde  ich seither eine Energieverschwendung.


Meine Gesundung leitete damals meine Mutter ein, wenn man diese Geschichte genau betrachtet. Nein, nicht mit riesigen Tabletten-Kugeln, die bitter schmeckten und an denen man zu ersticken drohte. Meine Heilung  geschah durch eine Puppenstube und Geschichten, die Mutter und ich uns gegenseitig erzählten.

Weitere Entwicklungsphasen erfolgten auf  einem  schweren Rad. Ich musste stehend treten. Der Sattel  war zu hoch. Ich musste nach oben zum Gesundheitslenker greifen. Natürlich konnte ich auch nicht über den Lenker blicken. Damals wollte ich mit meinen frühen Rad-Künsten zum Zirkus.  

Zerschundene Knie bei Stürzen, weil ich einen steilen Berg hinunter nicht genügend bremsen konnte, ertrugen Mutter und ich mit Fassung.

Wie ein Mensch sich entwickelt, wage ich kaum zu beurteilen. Die einen sind  trotz  erheblicher Hirnschäden nicht gelähmt. Andere Zeitgenossen wirken lähmend, wenn sie auftauchen.

Mit den Genen wollte  ich später, während  des Medizinstudiums auch nur ungern Freundschaft schließen. Sie wissen schon, diese Sache in der Hitlerzeit mit dem ‚unwerten Leben’  löscht sich über Generationen nicht so leicht aus den Gehirnen und manche Schreck-Gespenster  bleiben irgendwie und irgendwo epigenetisch hängen.


Soviel zu den unterschiedlichen Entwicklungsmustern von Menschen. Mancher sucht Geborgenheit unter einem Panzer wie eine Schildkröte (1). 


Mancher sucht Geborgenheit unter einem Panzer wie dieses Schildkrötenkind.

 Creative Commons Lizenzvertrag http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Foto von Herbert Forstmeier 

 https://plus.google.com/108200492920281233541/posts



Psychoanalytische Modelle, die frühkindliche Triebregulation und unbewusste Prozesse können Sie bei Wikipedia nachlesen. Das ist hier uninteressant und  die  evolutionsbiologischen Erklärungen ebenfalls.

Warum  es zu  Unterschieden  zwischen Menschen als Folge von Selektion oder Spezialisierung kam,  können Sie sich ja vorstellen. Da geht und ging es nicht gerade gerecht zu unter den  Kriegern. Das muss  nicht heißen dass jeder Mensch heute genetische oder  anerzogene Merkmale von Ungerechtigkeit trägt.  Nicht jeder spielt bei Rechtsverletzungen und Kampf mit. 



Ich weiß von einem  deutschen  Späher in Russland. Er ritt täglich nach vorne, kehrte wieder um und berichtete, dass vorne der Feind sei. Bei seinen Ausritten  ins feindliche Gebiet fiel  niemals ein Schuss. Das blieb so bis der Krieg zu Ende war. Dann wurden diese deutschen Soldaten  russische Gefangene. Sie  hatten so wenig zu essen wie die, von denen sie sich gefangen nehmen ließen. Gemeinsam mit den Russen reparierten sie einige Zeit landwirtschaftliche Geräte und irgendwann durften sie zu Fuß nach  Deutschland zurückkehren.  Mein früherer Hausarzt schnitt sich während der Wanderung die erfrorenen Zehen mit einem Messer ab. Was denken Sie, was das für eine Entwicklung war und  anschließend wurde? Ausgehungert kamen die Soldaten heim und  wurden als Nazis womöglich beschimpft.  Das Leid  und den Krieg  totschweigen, hieß das Gebot der Stunde. 
Später deckte die Flowerpower-Generation diese  deutsche Schreckens-Zeit zu.  Ein Verdrängungsmechanismus folgte dem nächsten. Die Hippie-Verdrängung  klappte nicht und ging in antiautoritäre Erziehung über und schließlich begann der Mutterinstinkt zu versagen vor lauter Selbstverwirklichung. Im Moment hat das Erziehungsdefizit seinen Höhepunkt bei den Latte macchiato-Müttern erreicht. Fehlendes mütterlich empathisches Wahrnehmen  von  Gefühlen ihrer Kinder führt zu konfusen  verunsicherten Befragungen, was für materielle Wünsche das Kind denn habe.
Die Angst der über Generationen unverarbeiteten verdrängten Vergangenheit krabbelt unter der Decke wieder hervor in einer Form von allgemeiner Verunsicherung. Wie bei Dornröschen, wurde die böse deutscheVergangenheit im Tiefschlaf übersprungen.

Vielleicht wäre es  damals gelungen,  meditativ der Angst und Verzweiflung Herr zu werden. Diesen  Schrei  der Kriegsheimkehrer nach Geborgenheit, Genügsamkeit, Einfachheit und  nach Einkehr von Normalität  wollte keiner hören.
Zu Sündenböcken abgestempelt ? Ja, teilweise. Unverständnis für die Krieger-Väter und  die Verkehrung in das Gegenteil  war in den sechziger Jahren  zum Leitbild der Nachkriegsgeneration geworden. Armut und  Sorge  sollten rasch in Reichtum und  Sorglosigkeit verwandelt werden.  Zur Besinnung wollte die Jugend nicht kommen. Das  beginnende Wirtschaftswunder  ließ keine Zeit zum Grübeln übrig. Die Kriegerwitwen standen  - überrollt von  einer unbegreiflichenVergangenheit und Gegenwart - mit ihren Ängsten allein auf weiter Flur.
Sind  Reichtum und Sorglosigkeit wahre Bedürfnisse?  Geld heilt alle Wunden?
Versuchen Sie einmal, sich ein Schloss zu imaginieren. Sie werden sehen, während der  meditativen Tagtraum-Reise holen  Sie beim Bildern ihre wahren Bedürfnisse ein. Sie werden dabei seelisch reich.

Ich versuche es einmal selbst, damit Sie eine Vorstellung haben:

Ein Traumschloss? Nicht der Prunk von König Ludwigs Schloss Herrenchiemsee blendet. Nein, eher die unaufdringlich versteckte Dominanz der  Burgruine Falkenstein bei Brannenburg.
Ein starker, aber irgendwie verspielter, grauer, kraftvoller Turm steht  fest verankert  versteckt am steilen Weg – wie ein Wachtposten - und markiert den Weg hinauf zur Kirche am Petersberg.  Die Römer waren hier schon unterwegs. Jetzt wird am Berg nach deren Schätzen gegraben. Die Burg zerfiel. Nur der den Distrikt bewachende Turm bewahrte seine Ruhe und blieb übrig.
Wer dort wohnt, weiß ich nicht. Nach oben zu den Zinnen führt eine Treppe - eine wunderbare Dachterasse mit weitem Blick auf den  Lauf des Inns, das breite Inntal und die Autobahn , von München kommend, in den Süden zu Freunden in Italien, Kroatien und und und...
Ein Turm der Ruhe, der Geborgenheit - mit einer Mauer um die Burganlage zum Schutz. Viel Platz für Besucher - auch die Tiere vom Berg. Nachts hinter sich den Wald habend, geistert es friedlich. Glühwürmchen sind mit ihren Laternen unterwegs. Eine kleine Kapelle - weiter oben am Wegrand - bietet Rast für  Entspannung und Besinnung beim Aufstieg zum Petersberg oder weiter hinauf zur Asten.
Jetzt riecht es gerade nach Bärlauch.
Verstehen Sie meine im Turm gefühlte Wahrheit?  Geht es uns nicht ebenso wie den Kriegsheimkehrern?  Fühlen Sie sich wohl  in  meinem Turm der Ruhe und Besinnlichkeit?

Zum Schluss möchte ich Sie zu einer  Phantasiereise einladen in mein Filzenhäusel. Ich hoffe, Sie werden sich geborgen fühlen.

Traumzeit?

cc-by-sa Foto zu Traumbelief von Anna Maria Zehentbauer bei Google plus
Creative Commons Lizenzvertraghttp://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

 Hören Sie bitte:  Traumbelief Podcast.mp3 Audiostream 


Creative Commons Lizenzvertraghttp://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

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Quelle:
(1) Schildkrötenkind von Herbert Forstmeier:  https://plus.google.com/108200492920281233541/posts

(2) Start des Ichkurses
(3) Beliefs im Ichkurs