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Montag, 16. Oktober 2017

Tirili-Gespräche zwischen Neigung und Abneigung

Zwischen Neigung und Abneigung?
Mancher Mensch (ich bin so einer) fühlt sich wie ein Fragezeichen, weil er zwischen Liebe und Hass in Trance gerät.
Das wird alles zu einem gewichtigen Problem - je nach Einstellung zur Wirklichkeit natürlich.

Ich darf so ein Fragezeichen sein, wie ich eines bin - ganz ehrlich!

Bin ich geheimnisvoll und unklar - eben wie ein Fragezeichen?
Je nach Positionierung meines Gegenübers, pfeift der Gegenwind. Das vergleiche ich jetzt einmal mit Pfeilen. Das Objekt meiner Gefühle sollte sich seitlich aufstellen, dann zischen meine Hass- oder Liebes-Pfeile an ihm vielleicht vorbei.
Meisten schwirren meine Pfeile sowieso etwas ziellos umher.

Zielloses Tun?
Im Zen gibt es nichts zu erreichen.
Ich versuche bisher vergeblich, ohne allzu große negative Folgen, nichts erreichen zu wollen.
Für Zen-Leute ist schon alles im Eimer, wenn dem Tun ein Ziel vorangeht (5).
Meine formelhafte Vorsatzbildung muss demnach lauten: "Ich darf so ein Fragezeichen sein, wie ich eines bin - ganz ehrlich!"

Fragezeichen verführen zur Deutung von Worten!
Welcher Mensch besteht nicht aus Fragezeichen und macht unverständliche Andeutungen?
Neugierig geworden bei solchen Andeutungen und spiegelnd oder deutend einsteigen?
So oder so?

So wie ich deute, muss es nicht sein - l' amour, l'amour!
Der Liebespfeil zielt unbestimmt bestimmend auf das Leben ab.
Von A nach B zu zielen und Subjektivhaftigkeit (das Wesen der Menschen und Dinge) zu erkunden, reichen nicht aus für die Prüfung der Einzelheiten in der Ganzheit meines Seins (laut Zen, siehe Link 5).
Ich brauche Auseinandersetzung in Gesprächen von unterschiedlicher Gefühlstonlage, um nicht unter falschen Vorstellungen oder gar Halluzinationen zu leiden.

Wer bin ich?
Bin ich ein seltsamer, äußerst selbstherrlicher Vogel?
Da herrschen unterschiedliche Gefühle zwischen Neigung und Abneigung - ähnlich wie in der Zauberflöte (1) beim Vogelfänger Papageno und bei Papagena - tirili, tirili!

Tirili-Gespräche, aber voller Poesie!
Tirili-Gespräche sind wie poesievolle Kompositionen, die nach der Antwort auf diese Wer-bin-ich-Frage suchen.
Poesie wäre die Möglichkeit, was in mir ist, zum Klingen zu bringen. Das geschieht endlos, wenn niemand die Poesie in Eintönigkeit verkümmern lässt - aber nein, die Liebe ist ein rebellisch virtuoser Vogel, den niemand bändigen kann. Er trällert verführerisch oder singt zurückhaltend leise, wenn er psychoanalysierend in sich geht.

Psychoanalyse ist nichts für selbstherrliche Vögel!
Psychoanalyse ist schiere poetisches Klangfolge mit weiblichen und männlichen Wesenszügen!
Diese Form der klangvollen Poesie läuft nach jeder Sitzung und auch nach dem Psychoanalyse-Abschluss weiter. Sie will vielfältig erweitert werden. Seit meiner eigenen Psychoanalyse stelle ich mir schon morgens - unter der Dusche trällernd - Fragen und suche nach Antworten zu meinem vieltönigen Fragezeichen-Dasein und dem meiner AnalysandInnen.

Männliches und Weibliches gibt's zu entdecken!
Ich entdecke Männliches und Weibliches und erlebe Anima und Animus bei Papagena und Papageno und bei Carmen und bei jedem.
Ich finde überall den Kern von nicht sozialisiertem und nicht kultiviertem Ungewissen - auch in mir (1, 2, 3).
Ich bin darüber manchmal glücklich und manchmal traurig. Ich werde mich und mein Umfeld immer wieder neu erfinden müssen - wie ungewiss und spannend!

Der Mensch ist ein Fragezeichen!
Vielleicht verwandelt sich in der nächsten Sitzung - von einer Sekunde auf die nächste - eine Papagena schon in eine Carmen (4) und was wird mit mir?

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Quellenangaben:
(1) Papagena und Papageno
Die Zauberflöte: Marta Ubieta, Frank Leguerinel, Ensemble Matheus, Spinosi
https://www.youtube.com/watch?v=hAoe7QdZ3ao
(2) Gibt es Männliches und Weibliches mit einem Kern von nicht sozialisiertem und nicht kultiviertem Ungewissen?
https://books.google.de/books?id=ivljSwJa7_IC&pg=PA63&lpg=PA63&dq=Analysandinnen&source=bl&ots=EKOMgROo9R&sig=IXR9kTNwzXgddFnvkkHDdM8vri4&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj47bTQievWAhXL7RQKHcuWAtgQ6AEILzAC#v=onepage&q=Analysandinnen&f=false
(3) Auszüge aus Manfred Koch-Hillebrecht's "Der Stoff, aus dem die Dumheit ist"
Eine Sozialpsychologie der Vorurteile.
C. G. Jung (1960; 451 ff., 503 ff., 515 ff.) nennt Begriffe für stereotyp-ähnliche Erscheinungen. Es handelt sich um "Phantasiebilder", die "sich nur indirekt auf Wahrnehmung des äußeren Objektes" beziehen. Ein Bild " besteht mehr auf unbewußter Phantasietätigkeit und erscheint dem Bewußtsein hierdurch weniger abrupt - etwa in der Art einer Vision oder Halluzination, aber ohne den pathologischen Charakter einer solchen. Ein kollektives urtümliches Bild wird "Archetypus" genannt, der "ganzen Völkern oder Zeiten gemeinsam ist". Unbewusste Seelenbilder können in realen, manchmal aber auch ganz unbekannten oder mythologische Personen auftauchen. Ein solches unbewusstes idealisiert beseeltes Partnerbild-Stereotyp nennt Jung beim Mann "Anima" und bei der Frau "Animus".
http://www.irwish.de/Site/Biblio/Soziologie/Hillebrecht.htm
(4) Carmen - Habanera (Anna Caterina Antonacci, The Royal Opera)
https://www.youtube.com/watch?v=KJ_HHRJf0xg&list=RDhAoe7QdZ3ao&index=3
(5) Zen und die Einsicht in meine innere Einheit?
Wenn ich etwas Besseres will, ist schon alles im Eimer. Ich sollte also nichts erreichen wollen. Ich muss mich nicht um meine Einheit bemühen! Ich darf so da sein, wie ich da bin - ganz ehrlich!
https://www.youtube.com/watch?v=psisCxloziI

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#Animus #Anima #Zauberflöte #Carmen #Psychotherapie #Psychoanalyse #Humor