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Freitag, 17. November 2017

Gemeinsam mit Digitals und Educationists lernen?



Was wäre, wenn?
Was wäre, wenn Digitals und Educationists endlich zusammen lernten? "Um das zu erreichen, müsste wohl ein Sturmwind durch die Wüste wehen", denke ich und reite auf meinem Altweltkamel über die Sanddünen in Richtung Sonnenuntergang.



Was wäre, wenn?


Was mit dem arabischen Telefon über sieben Ecken ins Ohr geflüstert wird und die Runde macht, schaffen Digitals besser?
Während meiner Reise quer durch Marokko konnten sich junge MarokkanerInnen gut vorstellen, als Digitals Erfahrungen auszutauschen und dabei zu lernen. Sie flüsterten sich früher die Neuigkeiten schließlich auch von Oase zu Oase oder im sündigen Hamam zu.
In früheren Zeiten nannte man diese Art des funklosen Erfahrungsaustausch-Verkehrs über sieben Ecken 'arabisches Telefon'. Über sieben Ecken sind wir alle ein Haufen von irgendwie miteinander Bekannten, oder?

Heute reicht das Oasen-Netzwerk - virtuell erweitert - noch viel weiter.
Wenn jeder Mensch jeden Menschen über sieben Ecken herum kennt und schnellstmöglich heutzutage Bescheid weiß, sind Geheimnisse keine Geheimnisse mehr und Probleme sind nicht nur zwischen weitentfernten Oasen gemeinsam rasch lösbar.
Meine deutschen Mitreisenden - im Gegensatz zu den erfahren Online-Verkehr praktizierenden MarokkanerInnen - standen zuhauf mir und meinen deutschsprachigen Entschlüsselungsversuchen von Geheimnissen mittels iPhone in Oasenlandschaften skeptisch (vielleicht auch argwöhnisch?) gegenüber. Mein Phone ist übrigens mein wichtigstes Lernerfahrungstool.

Mit eingefleischten deutschen Sturköpfen kommt niemand schnell in die Gänge!
Ich bin diesbezüglich erfahren. Schließlich beobachte ich dieses Verhalten täglich an MIR!

Mit meinem iPhone wird für mich alles leichter!
Für mich ja, aber nicht für alle meine Mitmenschen.
Mein iPhone und ich können vor allem mit sehr Eingefleischten, die auf der vordersten Front für den Erhalt der traditionellen Lehre kämpfen, einfach nichts anfangen.
Hm - mich umerziehen? Das ist ziemlich zwecklos.

"Der Schüler soll dem Lehrer zuhören!"
Diese Aussage stammt von einem der mitreisenden Lehrer im Bus. Mitreißend finde ich die Art von Unterricht nicht. Diese Denke zur Unterrichtsgestaltung von deutschen Lehrern, die während der Schulferien durch Marokko reisen, schlägt mir während meiner Weiterreise zuhauf entgegen.

Wie geht Facebook?
Das muss ich keinem Marokkaner erklären. Ich hingegen muss mir die schwierigen marokkanischen Namen in mein iPhone eintippen lassen.
Jetzt kann ich zwar noch kein Arabisch, aber ich weiß, wo ich mir von meinen neuen marokkanischen Freunden bei Facebook Hilfe holen kann.
Da wären zum Beispiel
- der Obsthändler im Souk, der gleichzeitig als Artist arbeitet oder
- der freundliche Herr, der mir einen roten Berber-Teppich verkaufte und zum Bus trug und
- viele weitere neue marokkanische Freunde, die mit mir ein Interview machen wollen.
Ich kontaktiere jetzt alle im Chat über Facebook.

In Marokko gibt es wenig Geld, aber das unentgeltliche marokkanische Telefon - die Kommunikation von Haus zu Haus - funktioniert jetzt virtuell erweitert!
Der digitalen Technik sei Dank und der billigen marokkanischen Flatrate!
Wie könnte man sonst Kontakt zur Familie halten, die gastarbeitet? Jawohl! In der Fremde arbeitet man angeblich als Gast - hm, oder doch eher als fremdbestimmter Fremder unter Fremden?
Nur zu Hause ist diese marokkanische Erde mit dem liebevollen Zusammenhalt verbunden. Dort vibriert der Marokkaner in diesem farbenprächtigen und überaus kreativem Gefühl, das nach Heimat duftet. Lange möge die marokkanische Heimat auf diese Weise beleben!

Das Treffen mehrerer armseliger Narzissten im Speisesaal in Marokko...
Beim Abendessen im Hotel herrschen plötzlich Geld und Imponiergehabe vor. Eine Gruppe - keine Deutschen - nimmt den Speisesaal in Beschlag und räubert geschäftstüchtig-schamlos, was auf den Tellern zur Auswahl bereitsteht. Was nicht in den Magen passt, stopfen diese fremdländischen Unwesen in ihre Taschen für unterwegs. Höflichkeitsbezeugungen sind out, dafür gibt es Ellbogengeremple.

Fremdschämend und vorausahnend flüstere ich ein "Entschuldigung" während vor meiner Brust ein Ellbogen erscheint.
Aua - der Ruf des Kellners "Madame! Vorsicht!" hatte kein aufnahmefähiges Ohr erreicht. Immerhin konnte von meinem halbleeren Teller nichts herunterfallen.

Ich bin für EGO, aber nicht für Geremple!
Mit solchen Leuten habe ich auch nicht das narzisstische Selfie-iPhone-Verhalten gemeinsam.
Ich erkläre einer dieser gefräßigen Selfies, wo sie ihr iPhone außerhalb des Speisesaals aufladen kann, damit sie endlich verschwindet.
Ich versuche gleichzeitig heimlich unter dem Tisch mir bei Iberia einen Sitzplatz für den Heimflug zu buchen. Ich weiß, mein Smartphone-Verhalten wird von meinen mitreisenden Landsleuten bei Tisch ebenso missbilligt wie dieses räuberische Verhalten der fremdländischen Eindringlinge im Speisesaal.

Überall dieses Handy!
Des lieben Friedens Willen, stecke ich bei derartigen Vorwürfen mein iPhone weg und hoffe, später - so um Mitternacht, wenn die Abschiedsfeier im Hotel beendet ist - noch einen Sitzplatz für den Rückflug zu ergattern und den Wetterbericht zu lesen. Was, wenn es stürmt und ich nicht fliegen kann? Wer wird dann bei mir zuhause vor verschlossener Praxistür stehen?

Beim Marokkaner vom Nebentisch liegt das Smartphone neben dem Messer!
OK. Beide Tools sind wichtig.
Der Marokkaner blickt auf sein Smartphone und kommt an unseren nicht gerade smartphonebegeisterten Tisch mit diesem Ding herüber. Er wendet sich einer Lehrerin zu, die er wohl auf einen Blick als Französisch-Lehrerin aus Hamburg erkennt und deutet auf sein Smartphone-Display: Madame, bei Ihnen zu Hause wütet ein Sturm namens Herwart!

Alle Smartphone-Gegnerschaft ist auf einen Schlag wie weggewischt!
Mon dieu! Alle Smartphone-Gegnerschaft bei Tisch ist plötzlich vergessen. Die Lehrerin starrt gebannt auf das Smartphone. Schade, dass die Lehrerin gerade in Pension geht. Plötzlich sehe ich einen Anflug von Smartphone-Begeisterung in ihrem Blick oder galt der Blick dem smarten Marokkaner?
Wie auch immer! Ich kann jetzt unbemerkt verschwinden und meinen Sitzplatz für den Heimflug buchen. In München stürmt es nicht, inshallah!
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Schools and Schooling in the Digital Age: A Critical Analysis
(Neil Selwyn)
This book presents a wide-ranging and critical exploration of a topic that lies at the heart of contemporary education. The use of digital technology is now a key feature of schools and schooling around the world. Yet despite its prominence, technology use continues to be an area of education that rarely receives sustained critical attention and thought, especially from those people who are most involved and affected by it. Technology tends to be something that many teachers, learners, parents, policy-makers and even academics approach as a routine rather than reflective matter.

Tackling the wider picture, addressing the social, cultural, economic, political and commercial aspects of schools and schooling in the digital age, this book offers to make sense of what happens, and what does not happen, when the digital and the educational come together in the guise of schools technology.

In particular, the book examines contemporary schooling in terms of social justice, equality and participatory democracy. Seeking to re-politicise an increasingly depoliticised area of educational debate and analysis, setting out to challenge the many contradictions that characterise the field of education technology today, the author concludes by suggesting what forms schools and schooling in the digital age could, and should, take.

This is the perfect volume for anyone interested in the application and use of technology in education, as well as the education policy and politics that surround it; many will also find its innovative proposals for technology use an inspiration for their own teaching and learning.
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Quellenangaben:
(1) Schools and Schooling
https://books.google.no/books/about/Schools_and_Schooling_in_the_Digital_Age.html?hl=de&id=RTZZBwAAQBAJ
(2) „Herwart“ wütete über dem Nordwesten
https://www.nwzonline.de/blaulicht/so-wuetete-herwart-ueber-dem-nordwesten_g_32,1,874247655.html
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#schools #schooling #Sturm

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